True Story

Der Fall Wilhelm Reich – österreichisches Drama, Biografie aus dem Jahr 2012.

Der Fall Wilhelm Reich

Eine Filmbiografie über Wilhelm Reich (1897-1957), einem österreichischem Psychoanalytiker, Marxisten und späteren Begründer der als Pseudowissenschaft geltenden Orgonomie, außerdem Psychiater, Sexualforscher und Soziologe.

Der Film beschreibt die letzten Lebensjahre im Exil in den Vereinigten Staaten. Als er 14 Jahre alt war verübte seine Mutter Suizid, sein Vater wurde depressiv, erkrankte und starb 1914. Mit 17 Jahren musste er nun die Leitung des Gutsbetriebes übernehmen, wurde aber 1915 durch einrückende russische Truppen zur Flucht gezwungen. Er trat der kaiserlich königlichen Armee bei und blieb bis Kriegsende 1918 im Militärdienst. Anschließend ging er nach Wien und studierte. 1920 wurde Wilhelm Reich in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen.

Er war der Auffassung, dass jede psychische Erkrankung mit einer Störung der sexuellen Erlebnisfähigkeit einhergehe, worüber bis dahin kaum geforscht worden war. Der neugierige und hochtalentierte Wilhelm Reich geriet schnell in die Kreise um Sigmund Freud. Ein Leben lang war Wilhelm Reich groß darin, sich mit Ländern und Institutionen anzulegen, die ihn zunächst freundlich aufgenommen hatten. Am schlimmsten traf ihn der Ausschluss aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 1934. Sigmund Freud sah in Reich ein Genie, der das Werk nach seinem Tode nicht nur verwalten sondern gar fortführen könnte.

Nach dem Studienabschluss 1922 wurde Wilhelm Reich bald Leiter des Wiener Psychoanalytischen Ambulatoriums für Mittellose. Die Begegnungen dort ließen ihn erstmals an Freuds Menschenbild zweifeln. Zu sehr erschien ihm dieses von einem ganz spezifischen Klassenstandpunkt geprägt. Durch das geschlechtliche Elend das er in seiner Praxis erlebte, wurde Reich noch radikalisiert. Sein Buch „Die Funktion des Orgasmus“ leitet 1927 den Bruch mit Freud ein. Für Reich ist genitale Freiheit der Schlüssel zum neuen Menschen.

Er glaubt, dass alle Neurosen sexueller Natur sind. Sie entstehen durch fehlgeleitete oder gestaute Libido. Die Entladung solcher Kräfte im Orgasmus ist für ihn nicht nur ein menschliches und zoologisches Phänomen, sondern eine in der Natur zu beobachtende Grundfunktion des Daseins. „Orgastische Potenz“ wird zum Schlüsselbegriff in Reichs Konzept geistiger Gesundheit. Der perfekte Orgasmus ist keinesfalls zu verwechseln mit dem bloßen Samenerguss des Mannes – er ist der Weg zur Heilung der Welt.

Nicht nur Freud ist indigniert, auch Reichs sittenstrenge kommunistische Genossen zetern; „Reich will, dass wir aus den Turnhallen unserer Vereine Bordelle Machen“. In Amerika, wohin er schließlich 1939 emigriert, will er Albert Einstein von der Messbarkeit des Orgons überzeugen, das nicht nur in jedem Lebewesen, sondern auch in der Atmosphäre wirkt. Er zeigte Einstein seinen entwickelten „Orgonakkumulator“, einer nach außen isolierten Kiste in der sich die Orgonenergie konzentrieren soll. Einstein ist zunächst neugierig, später jedoch nannte er es eine Illusion. Reich ist enttäuscht. Wilhelm Reich sei irre und paranoid gewesen. Wenn Paranoia der Wahn ist, verfolgt zu werden, dann war Reich ganz bestimmt nicht verrückt. Denn er wurde wirklich verfolgt.

Seine alten Feinde begannen nun auch in Amerika, wo er sich im Staat Maine sein Domizil erbaut hatte, seinen Ruf zu zerstören. Er sei ein Quacksalber und verspreche den Patienten mit seinem „Orgonakkumulator“ sexuelle Sensationen. Mit seinem selbstgebauten „Cloudbuster“ wollte er Regen erzeugen. Er wollte somit den Wolken zu einem Orgasmus verhelfen. „Ein geiler Ausländer mit rosa Vergangenheit, der mit seiner Strahlenkanone herumfuchtelte“, dies war den Amerikanern zu viel.

Man zwingt Wilhelm Reich und seinen Sohn alle Orgonakkumulatoren zu zerstören. 1956 bringt man all seine Schriften zu einer Müllverbrennungsanlage. Kurz darauf wir er verhaftet und zu zwei Jahren wegen Missachtung des Gerichts verurteilt. Er starb in seiner Zelle an Herzversagen. Die Hippies entdeckten ihn jedoch wieder, ihr Motto; „Fuck for Peace“.