True Story

Ein Richter für Berlin – deutsch-amerikanisches Drama aus dem Jahr 1988.

Ein Richter für Berlin

Der Film basiert auf dem Tatsachenroman des amerikanischen Richters und Staatsanwalts Herbert J.Stern. Das Buch und der Film basieren auf der Flugzeugentführung am 30. August 1978 von Danzig, nach Berlin Tempelhof.

Am 30. August 1978 entführte der Ost-Berliner Kellner Hans Detlef Alexander Tiede ein Flugzeug der polnischen Fluggesellschaft LOT auf einem Linienflug von Danzig nach Berlin-Schönefeld, damals DDR, und zwang die Besatzung zur Landung in Berlin-Tempelhof, damals West-Berlin. Dabei wurde er von der Kellnerin Ingrid Ruske unterstützt. Ingrid Ruske liebte den Westdeutschen Horst Fischer, dieser kam aus Hamburg und arbeitete im Auftrag einer Hamburger Firma beim Bau des Schlacht-und Verarbeitungskombinates in Eberswalde als Bauleiter. Beide hatten sich im Cafè Moskau kennengelernt, in dem Ingrid Ruske als Kellnerin arbeitete. Da der Bauauftrag kurz vor dem Abschluss stand und die beiden sich eine gemeinsame Zukunft in der DDR nicht vorstellen konnten, entwickelte Fischer den Plan, dass er gefälschte Papiere besorgt und beide getrennt mit der Bahn nach Danzig fahren, um von dort gemeinsam mit der Fähre nach Travemünde auszureisen.

Mit von der Partie war auch Detlef Tiede, ein langjähriger Bekannter von Ingrid. Er hatte zuvor bereits zwanzigmal vergeblich einen Ausreiseantrag aus der DDR gestellt. Der Plan mit den gefälschten Papieren scheiterte, weil Fischer der die Papiere nach Danzig bringen sollte, vorher von der Stasi, Ministerium für Staatssicherheit, festgenommen worden war. Vier Tage warteten Ruske und Tiede vergeblich. Als Fischer dann noch immer nicht an dem verabredeten Ort in Danzig kam, vermuteten die beiden, dass ihre Pläne aufgedeckt worden waren und sie nun auch nicht mehr zurück konnten. Sie mussten ihre Fluchtpläne ändern, kauften auf dem Flohmarkt eine Spielzeugpistole und buchten einen Flug vom Danziger Flughafen zum Ost-Berliner Flughafen Schönefeld. Kurz vor der Landung nahm Tiede eine polnische Stewardess als Geisel und drohte sie zu erschiessen, falls das Flugzeug nicht in West-Berlin landen sollte.

Der Pilot landete die Maschine auf dem West-Berliner Flughafen Tempelhof. Eine Sondereinheit empfing das entführte Flugzeug. Tiede verließ die Tupolew 134 mit erhobenen Händen und ließ sich ohne Widerstand festnehmen. Ingrid Ruske wurde kurz darauf in amerikanischen Gewahrsam genommen. Von den 62 Passagieren waren 50 DDR-Bürger. Neben Ruske und Tiede blieben spontan sieben weitere Personen, darunter ein Ehepaar und eine vierköpfige Familie im Westen. Die anderen wurden, nachdem sie von den Amerikanern verhört worden waren, mit einem Bus in die DDR gebracht. Eine junge Frau, die zunächst im Westen geblieben war, kehrte später mit der Bahn in die DDR zurück. Ein Antrag Polens auf eine Auslieferung der Straftäter wurde von der amerikanischen Besatzungsmacht abgelehnt. Um in West-Berlin einen Strafprozess gegen die Entführer zu ermöglichen, wurde erstmals in der Geschichte ein eigenes nicht-militärisches US-amerikanisches Gericht mit zwölf West-Berliner Geschworenen eingerichtet.

Ende Mai 1979 verurteilte der Richter Herbert J. Stern Detlef Tiede zu neun Monaten Haft, die er durch die Untersuchungshaft bereits verbüßt hatte. Das Verfahren gegen Ingrid Ruske wurde eingestellt, da sie vor ihren Äußerungen zur Sache nicht ordnungsgemäß über ihre Rechte als Beschuldigte belehrt wurde und ihr zwei Monate lang ein Rechtsanwalt vorenthalten worden war. Horst Fischer wurde in der DDR wegen Fluchthilfe und Menschenhandel zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und 1980 von der BRD freigekauft. Horst Fischer und Ingrid Ruske heirateten 1980 kurz nach seiner Freilassung. Bis 1987 wurden 16 Flugzeugentführungen von Polen nach West-Berlin registriert, diese dann in Tempelhof landeten. Dies brachte dem Kürzel der polnischen Fluggesellschaft LOT die Deutung „Landet ooch in Tempelhof“ ein.