True Story

Haftbefehl – Im Zweifel gegen den Angeklagten – französisches Drama aus dem Jahr 2011.

Haftbefehl Im Zweifel gegen den Angeklagten

Der Film erzählt die Geschichte von Alain Marécaux, einem der Angeklagten im Fall Outreau.
Der Outreau Fall ist ein Strafverfahren wegen sexuellem Missbrauchs von Kindern im November 2005 in Frankreich. Outreau ist ein kleiner Ort in Nordfrankreich.

Bei dem Prozess kam zu einer Bestätigung der Unschuld der Mehrheit der Angeklagten. Aus dem vermeintlichen Missbrauchsfall wurde ein Justizskandal.
Der damalige zuständige Richter musste sich verantworten und mit ihm das ganze System. Der junge Richter Burgaud, damals Ende Zwanzig, stand im Zentrum eines der monströsesten Justizskandale in der Geschichte Frankreichs, der immer neue Schwächen, Fehler und Übergriffe von Polizei, Gerichten und dem Haftsystem zutage förderte. Mit drakonischer Strenge zerrte der junge Richter 19 Menschen auf die Anklagebank, von denen sich später 13 als unschuldig erwiesen.

Fabrice Burgaud, ein Richter der mit den Beschuldigten umsprang, wie ein französischer Richter Gnadenlos. Einst so ein strenger Jurist, nannte man ihn „Le Petit Juge“, übersetzt, der kleine Richter. Er zerstörte nicht nur das Leben der damals Beschuldigten, ihm gelang es nicht sich zu einem Schuldeingeständnis oder einer Entschuldigung zu überwinden.
Nach einer siebenstündigen Anhörung war man verblüfft und regelrecht schockiert, mit was für einer Kälte er auf den Fall zurückblickte.

Was war geschehen und warum kam es zur Anklage – Es begann im Jahr 2001, als ein achtjähriger Junge mit Namen Dimitri gegenüber seinen Schulkameraden von furchtbaren sexuellen Übergriffen, durch seine getrennt lebenden Eltern Thierry und Myriam Delay, erzählte. Somit wurden Behörden alarmiert, Polizei und Sozialarbeiter eingeschaltet. Die drei Brüder des Jungen bestätigten die Aussage. Sie nannten die Namen von Nachbarn und Bekannten, die sich fünf Jahre lang an den Vorfällen beteiligt hätten. Die Eltern des Jungen beschuldigten eine ganze Reihe von Mitbürgern, vor allem die Nachbarn David Delplanque und seine Partnerin Aurelie Grenon.

Die Polizei ordnete Hausdurchsuchungen an, man fand tatsächlich Pornofilme und einige Sexartikel, was den Verdacht zunächst bestätigte. Der Staatsanwalt übergibt den Fall an den Richter Burgaud. Dieser hatte gerade erst seine Ausbildung abgeschlossen. 19 Personen wurden beschuldigt, der Vorwurf lautete; Pädophilie, Misshandlungen und Inzest. Die Angeklagten kamen in Untersuchungshaft, die Eltern wurden von ihren Eltern getrennt. Die Kinder brachte man in Pflegefamilien oder Heime. Viele der Beschuldigten verloren ihren Job. Die Mühlen der Justiz beginnen zu mahlen, langsam aber unerbittlich. Unter den Angeklagten war ein Gerichtsvollzieher, eine Pflegerin, ein Maler, Hausmeister, Taxifahrer, Priester und ein Bäcker und seine Frau.

Die Mutter des Jungen und eine Freundin räumen den Missbrauch ein. Die Mehrheit der vernommenen Personen bestreitet jegliche Beteiligung an den brutalen Vergewaltigungen. Ein Beschuldigter verübte in Untersuchungshaft Selbstmord.
Es lassen sich nur wenige Beweise finden, es sind widersprüchliche oder vage Aussagen. Die beiden Frauen und ihre Lebensgefährten gestehen und werden 2004 bis zu 20 Jahren Haft verurteilt. Es stellte sich heraus das die anderen Beschuldigten unschuldig sind. Sechs werden freigesprochen, die anderen dennoch verurteilt, obwohl die Hauptbelastungszeugin Myriam Delay zusammenbricht und sagt; „Ich bin krank und eine Lügnerin.“ Dies führte dazu, das man die restlichen Beschuldigten ebenfalls freigesprochen hatte.

Der ganze Fall war ein Konstrukt aus Lügen und Fehleinschätzungen. Die fälschlich Beschuldigten bekamen Entschädigungen, dennoch ihr Leben war zerstört. Der Richter war zu leichtfertig und entschied über das Schicksal der Unschuldigen. Er wurde verwarnt und ist seit 2011 Magistrat am Obersten Gerichtshof. Insgesamt waren 64 Personen von Behörden mit dem Fall, der Affäre Outreau, vertraut.