True Story

The Winslow Boy – britisch-amerikanisches Drama aus dem Jahr 1999.

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The Winslow Boy, oder auch Der Fall Winslow, basiert auf dem Bühnenstück The Winslow Boy von Terence Rattigan aus dem Jahr 1946, welches bereits 1948 im gleichnamigen Drama verfilmt wurde. Grundlage ist eine wahre Begebenheit im Jahr 1910, der Geschichte von George Archer-Shee (1895-1914) während der Edwardian era, dem Zeitalter Edwards VII., König von England von 1901 bis 1914.

George Archer-Shee war ein junger Kadett der Royal Navy, der zu unrecht beschuldigt wurde eine Postanweisung im Wert von fünf Schillings seines Kameraden gestohlen zu haben. Die Kadetten waren im Osborne House, einem Internat für junge Offiziersanwärter, an der Südküste Englands untergebracht. Die noch recht jungen Knaben erhielten hier ihre militärische Erstausbildung.

Der Diebstahl wurde angezeigt, George Archer-Shee beschuldigt und von der Militärschule verwiesen. Der Fall wurde am Obersten Gerichtshof verhandelt. George Archer-Shee wurde dabei von dem Rechtsanwalt und Politiker Sir Edward Carson (1854-1935) erfolgreich verteidigt. Es folgte ein Freispruch und die Familie des Jungen wurde entschädigt. Der Fall wurde kontrovers diskutiert, er führte zu einer öffentlichen und hitzigen Debatte. Dadurch erlangte der Fall auch seine Berühmtheit.

George Archer-Shee diente ab 1913 im britischen Militär. Am 31. Oktober 1914, im Alter von 19 Jahren, kam er während der Ersten Flandernschlacht ums Leben. Er war der Sohn von Martin Archer-Shee und dessen zweiter Ehefrau Helen Treoar. Sein Vater war Bankmanager und Enkel des Malers Martin Archer Shee. Der Halbbruder von George war der Offizier Martin Archer-Shee.

George kam im Januar 1908 zum Naval College, dem Osborne House. Hier wurden im Dienst der Königlichen Marine 14 bis 16-Jährige auf ihre militärische Laufbahn vorbereitet und trainiert. Es waren die ersten zwei Jahre ihrer Ausbildung. Am 7. Oktober 1908 kommt es zu diesem besagten Diebstahl. Ein Kadett namens Terence Hugh Back hatte von einem Verwandten eine Postanweisung im Wert von fünf Schillings erhalten. Am selben Nachmittag hatte George die Erlaubnis zur Poststelle außerhalb des Internat-Geländes zu gehen, um eine Postanweisung einzulösen, da er Geld benötigte. Als er zurückkehrte hörte er, das seinem Kameraden eine Postanweisung gestohlen worden war.

Eine Angestellte des Postamtes gab während des Prozesses zur Kenntnis, das nur zwei Kadetten die Poststelle besucht hatten. Der Vater von George sagte, sein Sohn habe nichts mit dem Verschwinden dieser Postanweisung zu tun und als Bankmanager habe er seine Kinder gut erzogen. Als fromme Katholiken wäre dies eine sündige Tat. Mehrere Anwälte wurden kontaktiert, auch der Halbbruder von George, der in der Politik tätig war, wurde von diesem Vorwurf in Kenntnis gesetzt.

Somit übernahm Sir Edward Carson die Verteidigung. Dieser testete zuvor die Glaubwürdigkeit des Jungen. Der Fall wurde am 26. Juli 1910 am Hohen Gericht verhandelt. Die Postangestellte Miss Tucker räumte ein, dass alle Kadetten gleich aussahen. Ihr gelang es nicht George eindeutig zu identifizieren. George hatte eine Postanweisung eingelöst, doch es war eine ganz andere, seine eigene, als die von seinem Kameraden als gestohlen gemeldet wurde. Es kam zu einem Freispruch und der Familie wurden sämtliche Kosten, die durch diesen Prozess entstanden waren, erstattet. Terence Back diente in beiden Weltkriegen und starb 1968.