True Story

Freistatt – deutsches Drama aus dem Jahr 2015.

Freistatt

Der Film thematisiert Ereignisse in den früheren Freistatt-Einrichtungen, den Freistatt-Heimen, in denen das Motto lautete; „Arbeit statt Almosen.“ Bis in die 1970er Jahre wurden Jugendliche in den Erziehungsheimen misshandelt und zur Arbeit gezwungen. Mit dem Film Freistatt möchte man das Geschehene aufarbeiten.

Der Pastor und Theologe Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910), hatte im Jahr 1899 die Einrichtung Freistatt als Betheler Zweiganstalt im Wietingsmoor gegründet. Das Wietingsmoor ist ein Moorgebiet im niedersächsischen Landkreis Diepholz.

Man wurde zur Arbeit verpflichtet und der Teilnahme an Gottesdiensten. Die Kinder und Jugendlichen mussten im Moor schwere körperliche Arbeit verrichten, den Torf abbauen, den Torf stechen. Dieser Torf wurde unter anderem als minderwertiger Brennstoff, im Gartenbau, der Herstellung von Textilfasern und in der Medizin verwendet.

Aus ganz Deutschland kamen Jugendliche in diese Einrichtung, diese in bis zu sechs Heimen untergebracht waren. Freistatt galt als eines der strengsten Heime Deutschlands. Für viele prägte sich der Begriff „Endstation.“ Für die Heiminsassen der pure Horror, schwere körperliche Arbeit, Schläge, Demütigungen und Gewalt beherrschten das Alltagsleben. Eine letzte aktenkundige Prügelstrafe, einer Züchtigung, geschah im Jahr 1973.

Auch Wolfgang Rosenkötter wurde 1961 für 15 Monate in Freistatt eingewiesen. Seine Erfahrungen sind auch Gegenstand der 2006 erschienen Buchdokumentation „Schläge des Herrn. Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik.“ von Peter Wensierski. Hier werden Schicksale von Heimkindern der 1950er bis 1970er Jahre aufgegriffen.

In Freistatt gab es keine Bildung, keinen Unterricht, von Zuneigung keine Spur – arbeiten und gehorchen. Immer wieder kam es zu Schlägen und Demütigungen durch die „Erzieher“ oder „Hausväter.“ Selbst unter den Heiminsassen kam es zur Gewalt, zu gewissen Rangkämpfen. Viele wurden dadurch für ihr ganzes Leben traumatisiert. Im Namen Christi wurden hier Seelen gebrochen.

Die „Hausväter“ waren ohne jegliche pädagogische Ausbildung. Sie waren einfach nur Aufseher. In den 1950er Jahren waren bis zu 500 Jugendliche in den sechs Heimen eingesperrt.  Obwohl man zwischenzeitlich die Prügelstrafe abgeschafft hatte, kam es vor das mit der Hand zugelangt wurde. So gab es auch Kollektivstrafen, ganze Gruppen wurden bestraft.

Die Jugendlichen waren billige Arbeitskräfte, die man ausgebeutet hat. Heute ist das Wietingsmoor Naturschutzgebiet. Peter Wensierski sagt; „Ich bin da wohl auf das größte Unrecht an Kindern und Jugendlichen gestoßen, was es nach dem Krieg in Westdeutschland gegeben hat. Direkt vor unserer Haustür, das spottet jeder Beschreibung.“