True Story

Die Spiegel-Affäre – deutsches Drama, Thriller aus dem Jahr 2014.

Die Spiegel Affäre

Der Politthriller thematisiert die Spiegel-Affäre im Jahr 1962. Diese gilt als wichtiger Meilenstein für die Pressefreiheit in Deutschland.

Auf Beschluss des Bundesgerichtshofs drangen am späten Abend des 26. Oktober 1962 Beamte des Bundeskriminalamts und der örtlichen Polizei in die Räume des Hamburger Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ein. Man durchsuchte die Redaktion und nahm den Herausgeber Rudolf Augstein, den Verlagsdirektor, den Chefredakteur und weitere Redakteure fest. Viele von ihnen kamen in Untersuchungshaft, wobei Rudolf Augstein über drei Monate festgehalten wurde.

Laut dem Durchsuchungsbefehl wurden die Inhaftierten des Verrats von Staatsgeheimnissen bezichtigt. Auslöser hierfür war der militärpolitische Artikel „Bedingt abwehrbereit“, der von dem Chefredakteur Conrad Ahlers verfasst wurde und am 10. Oktober 1962 erschienen war. Insgesamt sieben Redakteure der Spiegel-Redaktion wurden verhaftet.

Der Artikel „Bedingt abwehrbereit“ beschäftigte sich mit einer Übung der NATO, dem Manöver „Fallex 62“ im Herbst 1962. Bei der Bundesanwaltschaft Karlsruhe entstand der Verdacht, der Spiegel habe Staatsgeheimnisse publiziert und damit Landesverrat begangen. Das Manöver „Fallex 62“ war die erste Übung der NATO, dem die Annahme zugrunde lag, der dritte Weltkrieg beginne mit einem sowjetischen Großangriff auf Europa. Der Artikel stellt das damalige Konzept eines atomaren Erstschlags und die entsprechende Rüstungspolitik unter Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß in Frage.

Da die Bundeswehr über eine eher mangelhafte Ausstattung verfügte und die NATO eine konventionelle Verteidigung bevorzugte, sei man gegen Truppen des Warschauer Pakts machtlos. Oberst Alfred Martin hatte dem Spiegel entsprechendes Material zur Verfügung gestellt. Franz Josef Strauß hatte gerade seinen Urlaub beendet und forcierte die Strafverfolgung. Dies entsprach jedoch nicht seiner Zuständigkeit. Zustimmung fand er dennoch, vom Bundeskanzler Konrad Adenauer persönlich.

Telefonleitungen der Spiegel-Redaktion wurden abgehört. Kriminalpolizisten der Sicherungsgruppe Bonn und der Staatsanwaltschaft Siegfried Buback quartierten sich in Hamburg ein. Es folgte die Durchsuchung und Haftbefehle wurden erlassen. Material wurde beschlagnahmt, doch man fand keinerlei Hinweise, was die Vorwürfe des Landesverrats oder der Korruption belegt hätten.

Aber auch für Strauß und seinen Staatssekretär Volmar Hopf, die wegen Amtsanmaßung und Freiheitsberaubung angezeigt worden waren, endete die Affäre strafrechtlich glimpflich. Journalistenverbände und fast alle deutschen Zeitungen solidarisierten sich mit dem Spiegel. Auch den damaligen Hamburger Innensenator Helmut Schmidt hatte man über die Aktion informiert. Dieser machte sofort „schwere politische Bedenken“ geltend. Er sieht dies als eine „zweifelhafte Angelegenheit“.

Es folgten Proteste der Bevölkerung von Studenten und der Presse, die diese Aktion als Angriff auf die Pressefreiheit kritisierten. Das Spiegel Magazin erschien weiterhin. Bundeskanzler Adenauer verteidigte diese Maßnahmen bei einer Debatte im Bundestag. Strauß hingegen äußerte sich öffentlich: „Ich habe mit der Sache nichts zu tun. Im wahrsten Sinne des Wortes nichts zu tun.“ Dabei hatte er doch bei der Verhaftung von Titelautor Ahlers mitgewirkt. In der Bundestagsdebatte musste er sich schließlich zugeben.

Die Spiegel-Affäre hatte sich nun zu einer Regierungskrise innerhalb des Kabinetts Adenauers ausgeweitet. Adenauer will den BND-Chef General Gehlen verhaften lassen, wegen des vermuteten Verrats der Aktion. Was folgt ist eine Regierungskrise in Bonn, wobei alle fünf FDP-Minister zurücktreten. Strauß hingegen möchte Verteidigungsminister bleiben. Adenauer bildete ein neues Kabinett, ohne Strauß.

Augstein und Ahlers werden aus der Haft entlassen, Augstein verbüßte 103 Tage im Gefängnis. Im Sommer 1965 stellte die Bonner Staatsanwaltschaft fest, das sich Franz Josef Strauß während der Spiegel-Affäre der Amtsanmaßung und der Freiheitsberaubung schuldig gemacht hat. Er hatte jedoch mit keiner Strafe zu rechnen. Dies wurde mit einem „Verbotsirrtum“ argumentiert. Der eigentliche Auslöser, die umstrittene Titelgeschichte habe keine Staatsgeheimnisse enthalten und ein Landesverrat liege hier nicht vor. So ein drittes unabhängiges Militätgutachten.

Das Verhältnis zwischen Strauß und dem Spiegel blieb spannungsreich. Dennoch gab es einige Interviews und später im Jahr 1969 kam es zwischen Strauß und Augstein zu einem Schriftwechsel. Unabhängiger Journalismus kann auf die Dauer systemstabilisierende Funktionen haben.