True Story

Menschen am Sonntag – deutsches Drama aus dem Jahr 1929.

Menschen am Sonntag

Der deutsche Stummfilm führt uns in das Berlin Ende der 1920er Jahre. Junge Leute machen einen Film, so hieß es in einem Zeitungsartikel. Entstanden ist eine Sommergeschichte über das Lebensgefühl der Berliner, durchsetzt mit dokumentarischen Bildern der Stadt. Die fünf Hauptdarsteller standen das erste Mal vor einer Kamera. Als Laiendarsteller in diesem Film, gehen sie in ihrem realen Leben ihren gelernten Berufen nach. Gedreht wurde meist an Sonntagen.

– Taxifahrer Erwin – Erwin Splettstößer war als Taxifahrer tätig, als er erstmals in „Menschen am Sonntag“ vor einer Kamera stand. Dadurch fand er Gefallen an der Filmarbeit und wurde Darsteller, in den Filmen „Abschied“ (1930) und „Voruntersuchung“ (1931). Im Jahr 1931 kommt es zu einem tragischen Unglück, als er beim Schließen des Garagentores von seinem Taxi überrollt wird.

– Plattenverkäuferin Brigitte – Brigitte Borchert (1910-2011). Sie war von Hamburg nach Berlin gezogen. Ihre Kindheit hatte sie zeitweise in Afrika verbracht, wo ihr Vater als Arzt tätig war. In Berlin arbeitet sie in einem Schallplatten- und Grammophonladen. Während des Zweiten Weltkriegs kehrt sie nach Hamburg zurück. Hier verstarb sie am 7. August 2011 im Alter von 100 Jahren.

– Weinverkäufer Wolfgang – Wolfgang von Waltershausen (1900-1973). Er war ein Nachfahre von Georg Friedrich Sartorius (1765-1828), einem Historiker und Professor, der kurz vor seinem Tod das Schloss Waltershausen geerbt hatte. Dazu gehörten zudem Gutsländereien.

– Komparsin Christl – Christina Ehlers (1911-1960). Die Schauspielerin wurde in Berlin geboren. Eine Hauptrolle hatte sie in dem Märchenfilm „Frau Holle“. Nach der Machtergreifung Hitlers musste sie 1933 ihre Heimatstadt Berlin verlassen. Sie verstarb am 2. Februar 1960 in New Mexico.

– Mannequin Annie – Annie Schreyer. Über sie ist leider nichts bekannt.

Die Darsteller sind Laien, die zum Teil auf der Straße angesprochen wurden. Der Überraschungserfolg dieses Films, der im Winter 1929/30 fertiggestellt wurde, war zudem der Beginn der Karriere des Regisseurs Robert Siodmak (1900-1973). Auch andere Beteiligte an diesem Film wie; Edgar Ulmer (1904-1972), Fred Zinnemann (1907-1997), Kurt Siodmak (1902-2000) und dem Drehbuchautor Billie Wilder (1906-2002) machten später nach ihrer Emigration Weltkarrieren.
Die Fachpresse war von „Menschen am Sonntag“ begeistert. So schrieb der Film-Kurier; „Beifall von selten gehörtet Intensität, der die Mitwirkenden immer wieder vor die Leinwand holt“, oder die Deutsche Filmzeitung München; „Stürmisch applaudiert! Eine neue Zeit, eine Renaissance des Geschmacks.“ Der Stummfilm „Menschen am Sonntag“ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg begeistert wiederentdeckt und zum Klassiker erhoben.